Das Erste Mal: Komatrinken

Dem Klischee (oder fragwürdigen Studien) nach kommen 99,999 Prozent aller Juegendlichen (oder nennen wir sie lieber noch Kinder) im Alter zwischen 13 und 15 Jahren in Kontakt mit Alkohol. Wem geben wir denn jetzt die Schuld? Den Gastwirten und Discobetreibern, die Geld machen wollen? Den Alkoholherstellern, die das Gift herstellen. Den Geschäften, die es ja auch verkaufen? Oder auch der globalisierten, kapitalistisch verklärten Welt, die ja sowieso für alles Schuld ist? Ja, geben wir ihnen allen die Schuld. Sie sind Schuld am neuen Trend, den wir erst seit knapp einem Monat kennen, der aber jeden Tag den Weg in mehr oder weniger niveauvolle Zeitungen findet.

Komatrinken. Ja, jeder Jugendliche, jedes Kind legt es immer drauf an, sich ins Koma zu saufen. Ich habe mal (dem wissenschaftlichen Zweck zugrundeliegend) mit ihnen gesprochen. Sie nennen es nicht mehr Vorglühen. Es ist nur mehr Komasaufen. Und derjenige, der es nicht bis ins Koma geschafft hat, muss den Krankenaufenthalt der anderen bezahlen. Jedes Wochenende saufen sie sich ins Koma. Immer und immer wieder. Warum? Nennen wir es „Unwissenheit“.

Ich halte sie nicht mehr aus, die Texte, die auf belanglosem Grunde um das Komatrinken handeln. Ich lehne mich einmal weit aus dem Fenster. Ich gebe die Schuld … den Eltern. Sie trifft die meiste Schuld, wenn junge Burschen und Mädchen (mit meist viel zu minimalistischer Kleidung) von Lokal zu Lokal ziehen und sich mit Alkohol zuschütten. Es gibt immer noch das Gesetz, das über all den Gesetzen des Bundes steht. Das Gesetz der Eltern. Man sieht, die antiautoritäre Erziehung hat nicht funktioniert. Ein jeder Jugendliche braucht Grenzen. Und sie sollen auch gesetzt werden. Nicht zu streng, nicht zu locker. Und ich nenne das Phänomen Komatrinken nur mehr mit einem Wort im Zusammenhang: Selbstüberschätzung. Es ist doch nicht so, dass sich jedes Wochenende 54.032 Jugendliche ins Koma saufen. Es sind Einzelfälle. Es muss etwas unternommen werden. Aber sucht nicht die Schuld bei den Falschen. Und, liebe Presse (vor allem „Oberösterreichische Nachrichten) … hört auf mit der Bevormundung mündiger Menschen.

Nun zu mir: zum ersten Mal mehr Alkohol an meinem 17. Geburtstag getrunken, bis jetzt fünf mal davon gekotzt, bis jetzt 4 Stunden komplett aus meinem Gedächtnis gelöscht. Krankenhausaufenthalt? Nein.

Warum?
Darum: OÖN (OberÖsterreichische Nachrichten) vom 01 / 06 / 2007


0 Antworten zu „Das Erste Mal: Komatrinken“



  1. Noch keine Kommentare

Eine Antwort schreiben