Kronisch Subjektiv.

Jeder halbwegs gebildete Mensch aus der Mittelschicht, versucht, eine solche Tageszeitung nicht zu lesen. Aber schlussendlich erreicht sie doch eine Reichweite von rund 42 Prozent.

Die Ausgabe vom 26. Mai 2008Man kennt sie wohl, wenn man einige Zeit in Österreich verbracht hat. Sie ist die meistgelesene Zeitung des Landes und erscheint sieben Tage die Woche. Doch oft genug gibt man es nur ungerne zu, dass man sich die Krone gekauft hat.

Bei uns liegt sie jeden Sonntag, aufgrund fehlender anderer Tageszeitungen, auf dem Tisch und irgendwann blättert man auch einfach so durch. Ich habe sie wieder einmal durchgeblättert und ich bin subjektive Berichterstattung gewohnt. In der Gymnasiumzeit kaufte ich mir zum ersten (und sicherlich einzigen) Mal die BILD, rein aus Recherchezwecken, während Zugfahrten bin ich in Kontakt mit ÖSTERREICH, Heute, und Neue gekommen und mir ist auch bewusst, wie schnell man sich eine Gratiszeitung mitnimmt und Informationen aus ihr bezieht.

Doch irgendwann reicht es auch mir und ich werde von nun an nicht mal mehr kurz durchblättern. Mit dem Aufhänger „Muss es doch eine Volksabstimmung geben? EU-Vertrag jetzt vor deutschem Gericht“ griffen sie ein Thema auf, dass nun schon seit 3 Monaten durch die Zeitungen der subjektiven Berichterstattung geisterten. Doch schon auf Seite 2 ging es los. Hans-Peter Martin, EU-Abgeordneter in Brüssel schimpft jeden Sonntag über die österreichische Bundesregierung, über die EU und seine Kollegen. Er gilt als der große Aufdecker, findet heraus, wenn jemand den EU-Gehalt erhält, selbst wenn man bei den meisten Sitzungen nicht dabei ist. Und selbst bezog Hans-Peter Martin über 160.000 Euro unrechtmäßiger Sektretariatszulage. Das sind einem ja die Liebsten: Verpetzen die Anderen, nur um den eigenen Dreck am Stecken zu verheimlichen. Wäre das Europaparlament eine Schulklasse wäre er das Arschloch vom Dienst.

Mit kleinen Ecken wie „Herrn Strudls Sonntags-Notizen“, „In den Wind gereimt …“ und „kuaz und guad“ ermöglicht der Herausgeber Hans Dichand seinen Schützlingen Möglichkeit um etwas Politsatire zu betreiben. Die ständige Dauerbelastung der Leser wegen des EU-Vertrages-Themas dauert an. Immer und überall greifen sie das Thema auf, behandeln es nicht objektiv, erklären nicht die Ungenauigkeiten, die Fehler des Vertrages von Lissabon, sie schreiben nicht, was sie daran stört, sondern sie betreiben pure Angstmache. Die amerikanische Medienlandschaft lässt grüßen.

Im Impressum (Seite 72) wird die Richtung der Zeitung erklärt:

Richtung der Zeitung: Die Vielfalt der Meinungen ihres Herausgebers und der Redakteure

Es ist bemerkenswert, wie einig sich die Redakteure untereinander und mit ihrem Herausgeber sind. Objektive Berichterstattung geht anders, und ich würde mich zu Tode schämen, für so eine Zeitung irgendeinen Mist schreiben zu müssen.

Die Kronen Zeitung ist an Unwichtigkeit nicht zu überbieten. Sie ist keinen Cent wert, und wenn man am Sonntag nun aber doch wirklich eine Zeitung braucht, fährt man eben ein paar Kilometer weiter zum nächsten Kurier-Zeitungsstand. Die Frage bleibt nur, warum doch noch so viele Menschen die Zeitung kaufen und wer. Welche Gruppe von Menschen? Die Unterschicht? Die Oberschicht? Die Mittelschicht? Menschen mit Lehrberuf oder Menschen mit Matura? Mich würde das sehr stark interessieren …

Informationen: Meine Kritik bezieht sich auf die Oberösterreich-Ausgabe der Kronen Zeitung vom 25. Mai 2008. Homepage der Zeitung: krone.at. Kosten für die Sonntagsausgabe: 90 ct.

3 Antworten zu „Kronisch Subjektiv.“


  1. 1 Mai 26, 2008 um 4:46

    Angeblich liest ja sogar ein relativ hoher Prozentsatz an Akademikern die Krone. Brrr. Wobei einer der denkwürdigsten Kommentare zum Thema Tageszeitung von meinem Onkel stammt – als er bei mir einmal den Standard liegen sah und durchgeblättert hat, meinte er sinngemäß: „Ja, habe ich früher auch gerne gelesen und ist ja eh immer noch ganz gut.“ Dazu muss man wissen, dass er heutzutage stolzer Krone-Abonnent ist. (Meine Meinung, ähnlich wie das, was du in puncto Sonntagszeitung vorschlägst: Wenn man schon nicht soviel Geld für das Zeitungsabo ausgeben will, dann bestellt man sich eben den Kurier, der kostet auch nicht mehr als die Krone).


  1. 1 Eine Prise FPÖ/BZÖ-Populismus für die SPÖ, bitte! « Moon Safari Trackback zu Juni 27, 2008 um 10:21
  2. 2 Eine Prise FPÖ/BZÖ-Populismus für die SPÖ, bitte! « POLILOG Trackback zu Januar 14, 2009 um 12:10

Eine Antwort schreiben