Archiv der Kategorie 'Generationenkonflikt'

Anti-Jugend-Gesetz

Unsere Gesellschaft verfolgt neben den Rauchern, den Übergewichtigen und den Kindern nun auch Jugendliche. Sichtbar an einem Beispiel aus Gmunden.

Hunderte Jugendliche sind frei-und samstags unterwegs. Auf der Suche nach dem Kick, Alkohol, zum Flirten oder einfach um Freunde wieder zu sehen. Gmunden, eine der Tourismus-Hochburgen des Salzkammergutes, drängt aber mehr und mehr Jugendliche aus der Innenstadt hinaus.

Für Mainstream-Leute gibt es ein Café, welches bei Bedarf zur Menschenquetsch-Area umfunktioniert wird. Dutzende Drängen sich vor dem Eingang, um den berüchtigten Stempel aufgedrückt zu bekommen und um den Geruch von verschüttetem Alkohol, Rauch und Schweiß zu inhalieren. Für die anderen, die sogenannten Minimal-Alternativen gibt es dann nur mehr zwei Lokale in Reichweite. Das eine nur mit gemütlich-ruhiger Musik im Hintergrund, das andere mit penetranter Sounduntermalung.

Wie mir zu Ohren gekommen ist, wird nun Letzteres mit Ende des Jahres geschlossen. Im Sommer soll daraus ein Café werden. Aber Latte Macchiato-Residenzen gibt es im Umkreis von einhundert Quadratmetern en masse. Zurzeit noch fünf. Der Grund soll die starke Lärmbelastung zu nächtlicher Stunde sein. Wieder ein Platz weniger für Jugendliche.

Natürlich kann man das auch verstehen. Hunderte Jugendliche auf wenig Raum, und Musik, das erzeugt schon einige Dezibel. Doch will man nun etwa auch die Jugend aus allem verbannen? Gerade Gmunden, dass immer jammert, dass die Altstadt, das Zentrum der großen Kleinstadt, ausstirbt, lässt nun auch einen weiteren Fixpunkt untergehen. Jene mobilen Jugendlichen flüchten jetzt zu anderen Lokalitäten in andere Orte und Städte. Und für die Anderen beginnt eine neue Suche. In-Lokale haben eine andere Zielklientel und auch einige andere, gemütliche Lokale sind nur für Leute ab achtzehn Jahren.

Und so nimmt man den Jugendlichen mehr und mehr Platz weg. Die Raucher dürfen nicht mehr rauchen. Die Übergewichtigen sollen weniger essen. Kleine Kinder stören in Restaurants und Hotels. Und Jugendlichen? Denen möchte man einen Teil der Jugend nehmen. Man darf dieser Gesellschaft gratulieren.

Das Erste Mal: Eine Österreichische Daily-Sitcom

Fernsehen

Die ORF-Reform, welche bis zum heutigen Stand als misslungen bezeichnet wird, bescherte uns mit Mitten Im 8en die erste tägliche Sitcom mit österreichischem Touch, österreichischen Schauspielern und österreichischen Locations. Ende Juni flimmert die Serie zum letzten Mal über den Vorabend des Senders.

400.000 Zuseher haben sie sich erwartet, anfangs waren es noch 360.000 … aber die Quoten gingen einfach zurück. Zuletzt hatte die Sitcom gerade noch 60.000 Zuseher. Natürlich nicht mehr rentabel. Und nachdem auch die Politik (!) sich über diese Art des Fernsehens negativ äußerte, schien es, als müsste Wrabetz schnell handeln. Anfangs hieß es ja noch, dass die Sendung definitiv bis August weiterlaufen würde. Dieses Ende kam aber nun viel zu überraschend.

Ich muss zugeben, ich bin ein großer Fan von Mitten Im 8en. Ich habe die erste Folge gesehen und dann durchschnittlich drei bis viermal in der Woche. Was als das größte Problem angesehen darf ist der Sendeplatz. Ist nur ein TV im Haushalt, so werden die Eltern die ZIB sehen wollen, und so fällt der ORF 1 unten durch und die Quoten bleiben bei der Schwester ORF 2. Ich kenne das ja nur zu gut, es ist fast unmöglich, die Eltern von der Zeit In Bild wegzubringen.

Als zweites Übel, welches Mitten Im 8en das Genick brach, sehe ich den scheinbaren hohen Anspruch der Österreicher an. Wiener beschwerten sich über die dümmliche Darstellung der Wiener und Politiker beschwerten sich über die in der Sendung behandelten Themen. Nennt mir eine tägliche Sendung deutscher Fernsehstudios, welche mit übermäßigem Niveau punkten kann. Verliebt in Berlin? GZSZ? Verbotene Liebe? Naja, aber in Österreich setzt man eine solche Sendung zu bald ab.

Laut ORF-Chef Wrabetz wäre erst Ende 2008 ein neues eigenproduziertes Format realistisch. Ich finde es wirklich schade, dass auf etwas Neues so wenig Acht gegeben wird. Etwas bessere Werbung, eine größere Online-Präsenz und ein neuer Sendeplatz würde Mitten Im 8en zu einem wichtigen Bestandteil des österreichischen Fernsehens werden. Aber … die erste Daily-Sitcom ist Geschichte.

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Nachgedacht: Ein Kind Seiner Zeit

Kurt Waldheim ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Er ruhe in Frieden.

Lange Zeit wusste ich nicht viel über ihn. Ihn. Den ehemaligen Bundespräsidenten meines Heimatlandes. Der Oberhaupt der Vereinten Nationen. Ich wusste nicht viel.

Eigentlich habe ich erst heuer, in der letzten Klasse, etwas mehr über ihn erfahren. Dass er eine Vergangenheit im zweiten Weltkrieg hatte. Dass er im am Balkan stationiert war und über Deportationen Bescheid wusste. Und dass eigentlich lange Zeit nichts darüber an die Öffentlichkeit kam.

Erst 1986, als er das zweite Mal für das Amt des Bundespräsidenten kandidierte, tauchte seine Vergangenheit wieder auf. Die Waldheim-Affäre wanderte durch die internationalen Medien, Amerika setzte ihn auf die Watch-List. Und doch gewann er die Wahl. Bis 1992 war er österreichischer Bundespräsident.

Man kann ihm wegen seiner Vergangenheit im NS-Regime viel vorwerfen. Sartre meint … Der Mensch hat die Freiheit, selbst zu entscheiden was er tut. Sein Handeln bestimmt sein Wesen. Das könnte man ihm zum Vorwurf machen. Oder man könnte auf Ödön von Horváth hören. Er war ein Kind seiner Zeit. Er konnte nicht anders. Man kann es sehen wie man will.

Wir haben einen wichtigen Österreicher verloren. Er ruhe in Frieden.

Das Erste Mal: Eine Filmrolle Ablehnen

Mit einem Hund hat er zusammengearbeitet. War der Teufel. Und … Hitler.

Und doch lehnt Tobias Moretti sein wohl größte Rolle ab. Valkyrie ist der nächste Film mit Tom Cruise und handelt über den Claus Schenk Graf von Stauffenberg, dem Widerstandskämpfer im zweiten Weltkrieg. Und nachdem Tobias Moretti schon in Speer Und Er die Rolle des Hitlers übernommen hat, wurde er auch für diesen Film angefragt. Und er hat abgesagt. Er hat schon einer Rolle in einem österreichischen Film zugesagt.

Ich bin irgendwie geschockt. Mit seinen 48 Jahren wäre das seine größte Rolle. Schon klar, die Rolle des Hitlers nimmt man nie gerne an. Bruno Ganz hat schon gesehen, dass man immer und immer wieder auf die Rolle angesprochen wird. Aber in einem Film von Bryan Singer würde wohl jeder mitspielen. Hatte er nicht mit „Die üblichen Verdächtigen“ einen Bombast-Erfolg und X-Men sowie SuperMan Returns waren ja auch super.

Ist Moretti nicht auf Ruhm, Erfolg, Anerkennung und Weltbekanntheit aus? Dann ist das sehr lobenswert. Ich selbst würde das aber nicht. Aber jetzt kann man sich auf mehr hochwertige österreichische Filme freuen. Wenn Moretti bei uns hier bleibt.

Das Erste Mal: Komatrinken

Dem Klischee (oder fragwürdigen Studien) nach kommen 99,999 Prozent aller Juegendlichen (oder nennen wir sie lieber noch Kinder) im Alter zwischen 13 und 15 Jahren in Kontakt mit Alkohol. Wem geben wir denn jetzt die Schuld? Den Gastwirten und Discobetreibern, die Geld machen wollen? Den Alkoholherstellern, die das Gift herstellen. Den Geschäften, die es ja auch verkaufen? Oder auch der globalisierten, kapitalistisch verklärten Welt, die ja sowieso für alles Schuld ist? Ja, geben wir ihnen allen die Schuld. Sie sind Schuld am neuen Trend, den wir erst seit knapp einem Monat kennen, der aber jeden Tag den Weg in mehr oder weniger niveauvolle Zeitungen findet.

Komatrinken. Ja, jeder Jugendliche, jedes Kind legt es immer drauf an, sich ins Koma zu saufen. Ich habe mal (dem wissenschaftlichen Zweck zugrundeliegend) mit ihnen gesprochen. Sie nennen es nicht mehr Vorglühen. Es ist nur mehr Komasaufen. Und derjenige, der es nicht bis ins Koma geschafft hat, muss den Krankenaufenthalt der anderen bezahlen. Jedes Wochenende saufen sie sich ins Koma. Immer und immer wieder. Warum? Nennen wir es „Unwissenheit“.

Ich halte sie nicht mehr aus, die Texte, die auf belanglosem Grunde um das Komatrinken handeln. Ich lehne mich einmal weit aus dem Fenster. Ich gebe die Schuld … den Eltern. Sie trifft die meiste Schuld, wenn junge Burschen und Mädchen (mit meist viel zu minimalistischer Kleidung) von Lokal zu Lokal ziehen und sich mit Alkohol zuschütten. Es gibt immer noch das Gesetz, das über all den Gesetzen des Bundes steht. Das Gesetz der Eltern. Man sieht, die antiautoritäre Erziehung hat nicht funktioniert. Ein jeder Jugendliche braucht Grenzen. Und sie sollen auch gesetzt werden. Nicht zu streng, nicht zu locker. Und ich nenne das Phänomen Komatrinken nur mehr mit einem Wort im Zusammenhang: Selbstüberschätzung. Es ist doch nicht so, dass sich jedes Wochenende 54.032 Jugendliche ins Koma saufen. Es sind Einzelfälle. Es muss etwas unternommen werden. Aber sucht nicht die Schuld bei den Falschen. Und, liebe Presse (vor allem „Oberösterreichische Nachrichten) … hört auf mit der Bevormundung mündiger Menschen.

Nun zu mir: zum ersten Mal mehr Alkohol an meinem 17. Geburtstag getrunken, bis jetzt fünf mal davon gekotzt, bis jetzt 4 Stunden komplett aus meinem Gedächtnis gelöscht. Krankenhausaufenthalt? Nein.

Warum?
Darum: OÖN (OberÖsterreichische Nachrichten) vom 01 / 06 / 2007