Archiv der Kategorie 'Gewalt'

Oh Du Mein.

Abscheuliches Österreich.

24 Jahre. Eingesperrt, misshandelt, bedroht. Sieben Kinder gebärend. Der Täter? Der Vater. – Die Titelseiten sind gesäumt mit Reportagen rund um diesen Fall. Das weltweite Interesse, der Fokus der internationalen Nachrichtenlandschaft zeigt auf eine kleine Stadt in Niederösterreich.

Wir sind. Sind wir ein Volk voller verrückter, abscheulicher Sexualstraftäter. Hat jeder irgendein Geheimnis in seinem Keller oder dem Raum unter seiner Garage. Kann man sich überhaupt noch auf die Straße trauen, oder muss man als Frau schon Angst haben, entführt und vergewaltigt zu werden. Ich weiß es nicht. Vielleicht steckt so ein Gen in uns allen. In allen Bewohnern der Alpenrepublik. Die Einen leben es aus und die anderen unterdrücken es und werden zu Mördern, zu Amokläufern und zu Briefbombenbauern.

2006 der Fall rund um Natascha Kampusch und ihrem Entführer Priklopil. Achteinhalb Jahre gefangen, in einem Raum unter der Garage. Manchmal mit Ausgang, sie war sogar Einkaufen und einmal sogar Skifahren. Flüchten konnte sie nie. In zahlreichen Fernsehinterviews und geplanten Zeitungsreportagen wurden mehr und mehr Teile aufgedeckt. Und erst kürzlich der Tabubruch einer österreichischen Gratistageszeitung. Sie hat Akten der Staatsanwaltschaft irgendwie in die Hände bekommen und sie veröffentlicht. Ohne auf Aktengeheimnis und Arztgeheimnis zu achten. Der Fall Natascha Kampusch ruht noch lange nicht.

2008 nun der Fall rund um Elisabeth F. und ihren Vater Josef. Um die 7 Kinder, eines verstorben, drei im Keller aufgewachsen, drei andere wiederum bei ihrem Vater und gleichzeitig Großvater und ihrer Großmutter im Haus. Dutzende Medien belagern nun die Stadt und suchen nach Antworten auf das Unfassbare.

Antworten auf das Unfassbare. Wie kann man so etwas je wirklich verstehen. Dass jemand seine eigene Tochter 24 Jahre in einem Kellerverlies gefangen hält. Dass 24 Jahre lang niemand, nicht die Nachbarn, nicht die Bewohner des Hauses, dass rein niemand etwas bemerkt haben soll. Dass drei Kinder noch nie das Tageslicht gesehen haben. Man findet keine Antworten darauf.

Man kann nur Fakten und Erzählungen zu einer Geschichte zusammenfügen. Zum Tathergang. Man kann erfahren, wie sie gelebt haben, aber man kann es nie irgendwie richtig erfassen. Doch Medien versuchen manchmal erst gar nicht, etwas zu erfassen. Sie kombinieren.

Erste weltweit interessante Geschichte nach der Mitte-Rechtsregierung 2000? Natascha Kampusch 2006, stimmt. Zweite weltweit interessante Geschichte? Elisabeth F. 2008. Das heißt, ja. Oh, du mein abscheuliches Österreich.

„Warum werden in Österreich solche Bestien geboren?“ (Dziennik, Polen)

„Die österreichischen Politiker sind schockiert. Oder sind sie verantwortlich? In Österreich zeigen die Politiker gerne, wie erschüttert sie sind. Sie haben dabei keine Angst, dass sie vielleicht zur Verantwortung gezogen werden könnten.“ (Jutarnji list, Zagreb, Kroatien)

„Perversion oder Krankheit… Schon wieder in Österreich. Wieder erreichen uns aus Österreich Nachrichten, die uns umwerfen. So wie die Entführung von Natascha Kampusch. (…) Wieder kam das aus Österreich, der Heimat von Freud, dem Geistesriesen, der uns die im Unbewussten schlummernde Sexualität erweckte.“ (EL Pais, Madrid, Spanien)

„Die Österreicher rufen nun nach Gesetzen, doch neue Gesetze werden kaum neue Grausamkeiten verhindern. Wirkungsvoller ist das Entsetzen, das der Skandal in Amstetten hervorgerufen hat. Eine der Lehren aus dieser Tragödie ist, dass eine Gemeinschaft ohne wirkliche zwischenmenschliche Kommunikation keine Gemeinschaft ist.“ (The Times, London, Großbritannien)

Weitere Pressestimmen

Österreich. Oh du mein abscheuliches Österreich. Land der Bestien, der Massenmörder, der Ewiggestrigen. Land der Sexualstraftäter, Land der Entführer und Wahnsinnigen. Land des Schweigens, Land des Entsetzens. Was richtest du nur mit uns an. Oh du mein abscheuliches Österreich.

Was lernen wir daraus? Ich habe keine Ahnung. Der Fall Kampusch hat mir gezeigt, dass mich die bis ins Detail gehende Aufklärung des Falles nicht interessiert. Ich muss nicht alles wissen. Und Frau Kampusch hat ein gewisses Gespür zum richtigen Zeitpunkt Fernsehinterviews zu geben. Sie ist unwiderbringlich Teil der Medienwelt und wie sagt die Berliner Tageszeitung:

„Die Verantwortung der Medien liegt darin, wenigstens jetzt die Würde der Opfer zu wahren. Natascha Kampusch kämpft – recht erfolgreich – bis heute gegen die Medien um dieses Recht. Dass sie überhaupt kämpfen muss, ist beschämend. Denn der Grat zwischen legitimem Interesse und entwürdigender Belästigung mag schmal sein – zu verfehlen ist er eigentlich nicht.“ (Tageszeitung, Berlin, Deutschland)

Wir müssen den Opfern mit Würde begegnen. Das ist schon ein kleiner Teil. Das sich Österreich den Vorwurf des Schweigens, des Nicht-Nachfragens gefallen lassen muss, kann ich nachvollziehen. Was weiß man schon. Österreich ist nicht das Land der gefeierten Nachbarschaftsparties. Mit dem einen versteht man sich, mit dem anderen nicht. Und war doch der Täter und seine Familie eine nette, unscheinbare Familie in dieser Kleinstadt, die dem Fall den Namen gibt. Fall Amstetten.

Für mich ist es unfassbar. Ich finde nicht genug Worte, um auch nur ansatzweise zu verstehen, was diese Menschen erleiden mussten. Aber vielleicht sollte dieser Fall uns wirklich etwas zu denken geben. Unsere Gesellschaft ist marode. Alte Menschen sterben alleine in Wohnungen und werden erst bemerkt, als ihr Leichnam schon schrecklich stinkt. Das liest man oft in Zeitungen. Und eben die zwei Entführungsfälle. Wir sind nicht alle abscheulich. Wir haben genausoviele verabscheuungswürdige Kreaturen wie ihr alle, ihr, in euren Ländern, die nun über Österreich schreiben, als hätten wir eigene Schulen für Sexualstraftäter, für Pädophile, Entführer. Wir sind Österreich und ich bin stolz darauf.

Österreich. Oh du mein Österreich. Ein Land, welches leider nur dadurch ins globale Nachrichtennetzwerk eingeschleust wird. Was können wir schon leisten, um gerecht beurteilt zu werden. Natürlich fallen zwei solch schwerwiegende Fälle ins Gewicht und Österreich wird abgestempelt. Ein bisschen mehr Objektivität bitte, meine lieben Medien. Vor allem Belgien und die Niederlande sprechen wunderschön von Österreich.

„Das kann doch kein Zufall sein. Ist die soziale Kontrolle in dem etwas desolaten Bergland vielleicht geringer, und können Menschen dadurch leichter verschwinden?“ (Belgien)

Gerade Belgien. Ich habe zumindest auch nicht von diesem kleinen Land geglaubt, dass es druch Marc Dutroux, zum Land der Kinderschänder geworden ist. Man müsste halt nur mal überlegen und differenzieren. Verallgemeinern hilft vielleicht beim Verstehen, beim Aufarbeiten des Ganzen, kann es aber vielmehr ein Hindernis sein.

Was bist du nun, oh du mein. Österreich? Das Land der Entführer, der Sexualstraftäter, der Bombenleger. Das Geburtsland von Adolf Hitler. Alles nur Verrückte? Vielleicht. Vielleicht sind wir das. Vielleicht bin auch ich nur verrückt. Aber vielleicht findet man noch mehr. Noch mehr, was man in Österreich sein kann. Aber dafür müsste man ja genauer hinsehen. Mit mehr Objektivität. Und das dauert, meine Lieben. Das dauert. Also. Oh du mein Österreich, Land der Verrückten und des Sexualstraftäter, der Entführer, der Wegschauer, der Bombenleger. Oh du mein abscheuliches Österreich.

lahja’s Gedanken

Die Andere Seite Des Sports

SportDie EM-Auslosung haben wir hinter uns. Österreich spielt also gegen Kroatien, Polen und … Deutschland. Aber ich sage euch: das ist nur das geringere Übel, wenn man auf die kommenden Sport-Großereignisse blickt.

Südafrika 2010. Die WM hat sich vom Paradebeispiel Deutschland verabschiedet und landet zum ersten Mal auf dem afrikanischen Kontinent. Das erste richtig große Großereignis für diese Nation. Und dann wird plötzlich ein ehemaliger österreichischer Profifußballer beim Golfspielen erschossen. Medien berichten von 50 Morden pro Monat. Ich wage es zu bezweifeln, dass die südafrikanische Regierung es bis 2010 schafft, die Kriminialität und die unzähligen Morde einzudämmen.

Peking 2008. Das olympische Feuer wird von Athen weg über den ganzen Erdball getragen. Bis es eben nächstes Jahr die Fackel in Peking, China entzündet. China. Wirtschaftsboomland Nummer Eins. Getragen von einem miserablen Kommunismus. Und dass das Land auch jetzt noch Jahre zurückliegt, zeigen die Verhaftungen von Umweltaktivisten. Jene versuchten darauf aufmerksam zu machen, dass durch die Ansiedlung von Chemiefabriken die drittgrößte Trinkwasserquelle Pekings zu einer giftigen Brühe wird. Eine steigende Anzahl an Krebserkrankungen bestätigten die Vorwürfe der Aktivisten gegen die Regierung. Dass diese dann aber verhaftet und brutal gefoltert werden, zeigt ein weiteres Mal, dass man sich bei der Vergabe von sportlichen Großereignissen auch mal in der Gesellschaft des Landes umsehen sollte.

Schweiz 2008. Die EM findet natürlich nicht nur in unserem schönen Land statt. Nein, wir arbeiten mit der Schweiz zusammen, und versuchen, eine schöne Europameisterschaft herbeizuzaubern. Dass die Schweizer dabei noch größere Probleme als wir Österreicher haben, zeigen die Meldungen über das Planungsdesaster. Politiker erwarten ca. 35.000 Menschen bei den Spielen. UEFA-Experten hingegen bis zu 100.000. Dass dadurch die wenigen Parkplätze und die fehlende aktive Infrastruktur ein Chaos hervorrufen wird, wird jetzt schön langsam auch den Planern dieses Großereignisses klar.

Und so sitzt man in den nächsten drei Jahren vor den Fernsehern. Sieht sich die Tore, die Läufe, die Doping-Skandäle an. Und vergisst all die Geschichten hinter dem Sport. Dass dabei so vieles schiefläuft, fällt uns bei den High-Definition-Übertragungen natürlich nicht auf. Warum sollte es uns auch belasten. Ist es doch nur ein weiterer Weg in Richtung kompletter Gleichgültigkeit.

Killing In The Name Of.

Während die unbeständige Novemberluft die Selbstmordrate ansteigen lässt, enthauptet sich ein 19-Jähriger mit der Motorsäge. Was folgt? Eine seichte Berichterstattung zum Thema Gewaltspiele.

Es hat zwar etwas länger gedauert, aber nachdem die Regionalausgabe der Rundschau begann, darüber zu berichten, stiegen auch einige weitere Zeitungen ein und verfolgten den gleichen Weg. Subjektive Aussagen, dubiose Vermutungen und den Zeigefinger in Richtung der sogenannten Killerspiele. Aber …

Hatten wir das nicht schon mal?  Schon 1999 wurden Computerspiele zum ersten Mal in Verbindung gebracht mit jugendlichen Mördern. Eric Harris und Dylan Klebold, die Schüler der Columbine High School in Littleton, die 16 Menschen hinrichteten, spielten gerne das Spiel „Doom“. Robert Steinhäuser, der Amokläufer von Erfurt und Bastian B., jener von Emsdetten, waren von Spielen wie Half Life oder Counter Strike fasziniert. Soll das nun also bedeuten, dass jeder Mensch, der Spiele spielt, in welchen man mit der Waffe auf virtuelle Menschen schießt, ein vernarrter, beinharter Mörder ist?

Wunderbar war wieder einmal die Berichterstattung der Rundschau. Die darin angeführten Aussagen eines scheinbaren Experten in Sucht- und Gewaltprävention, dem Polizisten Karl Meister, zeigen wieder einmal, wie banal das Thema gehandhabt wird. Er hätte von privaten und beruflichen Problemen gewusst, und wüsste in diesem konkreten Beispiel das eine bekannte Spieleserie der Auslöser war. Warum? Weil man darin mit der Kettensäge auf Monsterjagd geht. Als engagierter Polizist dürfe man nicht wie ein Politiker à la Edmund Stoiber agieren und die komplette Schuld auf Computerspiele abwälzen. Mir erscheint sein Grinsen eher ein Zeichen der Mediengeilheit zu sein.

Nicht anders zu erwarten, ist die Berichterstattung von ÖSTERREICH. Der „Autor“ Markus Hofer zieht eine Spur von Konjunktiven hinter sich her. Objektivität war man zwar von dieser Zeitung noch nie gewohnt, doch dass man sich in einer Berichterstattung so auf die Computerspiele wirft und ein Computerspiel als „ultrabrutales Machwerk“ bezeichnet, lässt einen noch heftiger den Kopf schütteln. Die Kronen Zeitung ist erwartungsgemäß um keinen Geud besser.

Nur Zeitungen wie die OÖ Nachrichten, Die Presse, Der Standard und die Salzburger Nachrichten scheinen nicht den Hauptvorwurf gegen Computerspiele zu erheben. Was bei subjektiver Berichterstattung in solchen Fällen immer sieht, ist die Tatsache, dass man vergisst, dass für eine solche Tat mehrere Faktoren Auslöser sind.

Private, berufliche oder liebestechnische Probleme hinterlassen vor allem bei Jugendlichen oft einen tiefen Eindruck. Dass man dann versucht, seine Wut gegen die Welt in Shooter-Spielen zu kondensieren, ist doch nur ein kleiner Versuch, vor diesen Problemen zu flüchten. Doch müsste schon sein soziales Umfeld darauf reagieren müssen, als er sich mehr und mehr in die virtuelle Welt flüchtete.

Bei allem kommt es darauf an, wie man es konsumiert. Ich bin zwar selber Computerspieler und hatte schon einige Male eine virtuelle Waffe in der Hand, doch so etwas wird erst gefährlich, wenn man wirklich exzessiv spielt. Spiele wie Resident Evil oder Doom sind keine ultrabrutalen Machwerke, sie spielen mit der Angst des Spielers und wurden so beide zu legendären Spieleentwicklungen. Dass dabei Blut fließt, virtuelle Menschen getötet werden, und der Krieg nachgespielt wird, hat so lange keinen Einfluss auf die normale Welt, bis man nicht mehr unterscheiden kann. Und gerade das muss man verhindern.

Solche Spiele komplett zu verbieten ist einfach Humbug. Was Österreich jetzt endlich braucht: eine Einrichtung, wie die deutsche USK, die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle. Mit Einstufungen zwischen „Freigegeben ohne Altersbeschränkung“ und dem schwarzen Quadrat „Keine Jugendfreigabe“. Und wenn das dann gesetzlich verpflichtet wird, und Verkäufer den Ausweiß kontrollieren müssen, wird zumindest einmal Teenagern der Zugang zu diesen Medien verwehrt. Was mündige Bürger ab dem 18. Lebensjahr machen, kann gesetztlich so nicht mehr nachverfolgt werden. Da kommt es einfach auf das soziale Umfeld an. Und daran hapert es eben immer öfter.

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Free Burma.

Stiller. Protest.

Protest

In Burma kommt es nach jahrelanger Militärherrschaft zum großen Aufmarsch der Zivilisten.

Jeden Tag gehen sie auf die Straßen, immer mit der Angst im Hinterkopf, vom Militär erschossen zu werden. Die UN und all die Staatsoberhäupter fassen zwar ihr scheinbares Entsetzen in Worte, aber auf irgendwelche Handlungen wartet man immer noch vergeblich.

Recht viel können die Menschen vor den Fernsehern oder Computerbildschirmen nicht tun. Doch am 4. Oktober 2007 findet eine internationale Aktion der Blogosphäre statt, an dem so viele Blogger wie möglich nichts anderes veröffentlichen als einen Eintrag mit einem Bild und einem kurzen Text. Zum Thema „Free Burma!“.

Unter [[www.basicthinking.de] ] werden deutschsprachige Blogger über die Fortschritte in der Organisation der Aktion informiert. Immer mehr Leute finden sich ein und wollen so ihre Solidarität zeigen.

Die Frage bleibt natürlich, was das alles bringen soll. Besser sich an einer weltweiten
Blogaktion beteiligen, als nur zuzukucken und maulen, dass sowieso
nichts getan wird.

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Nachgedacht: Die Deutschlandisierung Österreichs.

 

Normalerweise heißt es ja, das alles was in Amerika irgendwie groß geworden ist, früher oder später nach Europa und auch in den deutschsprachigen Raum kommen wird. Aber auch im deutschsprachigen Raum intern gibt es Austäusche.

Und nachdem der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble mit seiner geplanten Vorratsspeicherung von Mediendaten im Internet, Telefon und E-Mail-Verkehr in Deutschland auf starken Widerstand zu treffen scheint, blieb man bisher irgendwie unbeeindruckt. Auch die Idee von Bundes-Trojanern, also Programmen, die still und leise im Hintergrund den PC ausspionieren, wurde in Österreich noch nicht aufgegriffen.

Aber natürlich musste es ja kommen. Da schnappt man sich drei Terroristen, die im Internet eine Al-Kaida-Plattform betrieben haben, und schon schreien die Politiker in Österreich auf. Der Sicherheitsexperte Robert Sturm sieht Österreich als einen gefährdeten Raum, Innenminister Günter Platter (VP) hat eine Arbeitsgruppe zum Thema Internetüberwachung gegründet und Justizministerin Maria Berger (SP) meldete sich auch schon zu Wort.

Diese meint, dass eine Überwachung nur im konkreten Tatverdacht und mit richterlicher Genehmigung angewandt wird. Den Einsatz von Trojanern steht sie hingegen skeptisch gegenüber. Eine großangelegte Überwachung, also auch von Privat-PCs (mit Benutzern ohne jeglichen terroristischen Hintergrund), hält sie für unverhältnismäßig.

Und deshalb hat Hans Zeger, von der Österreichischen Gesellschaft für Datenschutz (ARGE) etwas sehr Richtiges gesagt. Platter springe nur auf einen Zug des deutschen Innenministers auf. Und welche Pläne hat das deutsche Pendant zu Platter? Ähm, zum Beispiel gezielte Tötungen von Terroristen und eine Lockerung des Waffengesetzes. Noch Fragen?

Nachgedacht: Erinnerungen An Den Tod

Ich war gerade erst neun Jahre alt. Ich weiß gar nicht mehr genau warum ich damals um 1 Uhr früh noch einmal aufgestanden bin. Warum ich noch mal den ORF gekuckt hatte. Aber an eines kann ich mich erinnern. Den Satz, der durchgehend unten eingeblendet war. „Lady Di bei Autounfall gestorben“. Ich konnte mit dem Namen nicht viel verbinden, war in meiner kindlichen Unwissenheit nur geschockt. Es musste irgendjemand wichtiger sein, irgendeine Persönlichkeit. Und so schlich ich mich in das Schlafzimmer meiner Eltern, weckte meine Mutter auf und erzählte ihr diese Neuigkeit. In ihrer Schlaftrunkenheit zeigte sie sich zwar anfangs geschockt, schlief aber bald wieder ein. Und ich legte mich dann auch endlich schlafen.

Die folgenden Tage verfolgten wir die Bilder. Ach, das ist Lady Diana. Eine Ikone. Ein Star. Die Prinzessin von Wales. Und durch das Begräbnis, durch das „Candle In The Wind“ von Elton John war ich damals nicht mehr in der Lage, meine Emotionen zu kontrollieren und ich heulte einfach los. Auch wenn ich viele Epochen ihres Lebens nicht mitbekommen habe. Die Welt schien einen außergewöhnlichen Menschen verloren zu haben.

Aber manchmal gibt es einfach Ereignisse, die einem so stark in Erinnerung bleiben. Wo man weiß, was man getan hat, mit wem man gesprochen hat usw. So etwas wie der Elfte September. An dem ich zum ersten Mal überhaupt in Wien war, auf der ehemaligen Computermesse Ifabo. Und als mein Papa und ich dann im Zug nach Hause saßen, ich meinen kleinen Weltradio auspackte und sich plötzlich 6 unbekannte Menschen rund um unseren Platz versammelten und die Nachricht dieser schrecklichen Tat lauschten. Die Bilder bleiben im Kopf. Die Flugzeuge, die in die WTC crashen. Die Explosion. Die, in purer Todesangst, aus dem Fenster springenden Menschen. Der Einsturz. Auch wenn man nicht selbst davon betroffen war, selbst wenn man niemanden in diesem Anschlag verloren hat. Solche Erinnerungen bleiben. Sie gehen einfach nicht weg. Und selbst jetzt bekomme ich tränenschwere Augen und einen mächtigen Kloß im Hals. Die Welt ist aus den Fugen geraten.

Nachgedacht: Das Ende der NPD?

Immer mal wieder erhebt sich ein Politiker aus seinem Stuhle und fordert den Verbot der NPD. Neuestes Beispiel: SPD-Chef Kurt Beck.

Von 1967 bis 1988 gab es auch in Österreich die NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands). Bis sie schließlich der Verfassunggerichtshof wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verbat. Doch warum schreckt Deutschland vor einem Verbot zurück?

Schon 2001 wurde von Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat ein Verbotsantrag gegen die NPD am Bundesverfassungsgericht eingereicht. Aber durch sogannente V-Männer des Verfassungsschutzes scheiterte das Verbotsverfahren, da das Gericht nicht mehr unterscheiden konnte, welche Aktivitäten von der NPD selbst und welche vom Verfassungsschutz initiiert wurden. Und nach dieser lautstarken Debatte um einen Verbot gelang der NPD unter Udo Voigt das Unerwartete.

2004 zieht die NPD mit 9,2 % zum ersten Mal seit 1968 in das Landesparlament von Sachsen ein. Der heraufbeschworene Rechtsruck ging durch die deutschen Köpfe. Es wurde befürchtet, dass sie auch bei der Bundestagswahl einen so immensen Erfolg erzielen könnte. Was jedoch, Gott sei Dank, nicht geschah.

Und so fordert nun der Chef der SPD, Kurt Beck, den Verbot der NPD. Höchstwahrscheinlich hat ihn die Jagd auf und die Verprügelung von acht Indern zu diesem Gedanken bewegt. Aus den Reihen seiner eigenen Partei bekommt er geteilten Zuspruch, Mitglieder anderer Parteien fordern eine Wiederaufnahme des Verbotverfahrens erst, wenn die NPD denn auch wirklich verboten werden würde. Überraschende Zustimmung bekommt Beck auch auf EU-Ebene. EU-Justizminister Franco Frattini würde einen Verbot begrüßen, noch dazu, da Deutschland zu den fünf Ländern mit den größten rechtsextremen Problemen zählt.

Was nun wirklich passieren wird, steht in den Sternen. Ich wünsche mir nur eben mal ein Deutschland ohne No Go Areas. Ein Deutschland, das endlich in der Gegenwart angekommen ist. Ein tolerantes und ein schönes Deutschland. Vielleicht geht dieser Wunsch irgendwann einmal in Erfüllung. Hoffen wir es.

Ein gutes Buch zu diesem Thema: Moderne Nazis von Toralf Staud

Nachgedacht: Darfur. Ein Vergessener Krisenherd.

Krieg und Militär

Immer mal wieder konnte man über den Bürgerkrieg in Darfur lesen. Manchmal sah man auch Bilder im Fernsehen. Die Zahlen ließen einen hochschrecken. Und doch schienen die offiziellen 200.000 Toten schnell wieder vergessen zu sein. Jetzt ruft die UN zur Hilfe auf und schickt eine riesige Friedenstruppe ins Krisengebiet. Aber warum erst jetzt?

Der Konflikt in Darfur ist eine, seit 2003 andauernde, bewaffnete Auseinandersetzung zwischen den in Darfur in Sudan ansässigen schwarzafrikanischen Stämmen und der Zentralregierung in Khartum. Um die Rebellenbewegung niederzuschlagen, bedient sich die Zentralregierung hauptsachlich an lokalen Milizen, bestehend aus arabischen Reiter-Nomaden, die unter der Bezeichnung Dschandschawid bekannt wurden. Inoffizielle Zahlen sprechen von 400.000 getöteten und zweieinhalb Millionen vertriebenen Menschen.

Endlich haben die Vereinten Nationen eingegriffen. Sie schicken 20.000 Militärangehörigen und rund 6000 Polizisten nach Darfur. Eine tolle Sache, könnt man sich denken. Aber man fragt sich dann doch, warum es so lange gedauert hat. Warum es vier Jahre und Abertausende Ermordete überdauern musste, bis die UN reagiert.

Denn nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 beschloss der Sicherheitsrat schon im Dezember den Einsatz einer UN-Schutztruppe. Natürlich bedeutet ein „Heer“ von 20.000 Mann eine größere logistische Herausforderung. Doch das kann keine Ausrede für diese lange Wartezeit sein.

Irgendwie kommt man schom immer wieder auf den Gedanken, dass einige Länder einen zu großen Einfluss auf die „Vereinten Nationen“ haben. Die Vereinigten Staaten von Amerika zum Beispiel.

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Nachgedacht: Der Schießbefehl

Krieg und Militär

Lange Zeit wurde verhandelt. Von 24 auf 18 auf 15 reduziert. Und vor kurzem ist er gelandet. Der erste österreichische Eurofighter. Und obwohl eigentlich nun über den Deal von Verteidigungsminister Darabos (SPÖ) diskutiert hätte werden sollen, kam nun eine neue Frage auf. Wer darf / muss den Schießbefehl geben?

Der Schießbefehl darf gegeben werden, wenn ein Flugzeug aus terroristischen Zwecken entführt und auf eine österreichische Stadt zugesteuert wird. Und, wenn ein Flugzeug ohne Funkkontakt über den österreichischen Luftraum fliegt. Das Abfangen, das Abschießen dieser Flugzeuge hätte auch Kollateralschaden zufolge. Denn nicht nur die Terroristen würden getötet, auch die oft zweihundert Passagiere. Natürlich bleibt immer noch die Frage, was schlimmer ist, 200 getötete Flugzeugpassagiere oder 3000 Opfer dieses Terrorismus. Das ist eine ethische Frage, doch Peter Pilz (Die Grünen) meinte dazu, dass der Artikel 2 der Menschenrechtskonvention uanfechtbar sei. Dieser besagt:

Artikel 2: Recht auf Leben

Das Recht jedes Menschen auf Leben wird gesetzlich geschützt. Niemand darf absichtlich getötet werden, außer durch Vollstreckung eines Todesurteils, das ein Gericht wegen eines Verbrechens verhängt hat, für das die Todesstrafe gesetzlich vorgesehen ist.

Über dieses Thema zu diskutieren, würde den Rahmen dieses Blogs sprengen. Jeder hat hier seine eigenen Ansichten. Was natürlich bleibt, ist die Frage, wer den Schießbefehl im Falle eines schrecklichen Falles geben muss.

Anfangs wäre aus aufgeteilt. Ein unbekanntes Flugzeug im Luftraum Österreich wäre Sache des Verteidigungsministers. Ein entführtes Flugzeug mit Ziel Österreich hat sicherheitspolizeilichen Einsatz zur Folge, deshalb ist hier Ex-Verteidigungsminister und Neo-Innenminister Platter zuständig. Was in der gestrigen Sitzung festgesetzt wurde, bleibt aber immer noch eine Frage. Denn nun liegt die Entscheidung auf Flugzeuge zu schießen, schlussendlich beim Piloten. Das heißt, gäbe ein Minister die Freiheit zu schießen, würde ein Pilot bei einer späteren Gerichtsverhandlung verurteilt werden können. Und einem Piloten drohen in diesem Fall bis zu zehn Jahre Haft.

Warum haben wir eigentlich Politiker? Haben wir einfach nur gewählt, damit diese armen Leute mehr verdienen, dann und wann einmal in Sitzungen gehen müssen, um dann doch die Verantwortung für ihre Tätigkeiten auf andere abzuwälzen? Österreich, oh, Österreich


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